29. November 2001

Sehr geehrter Herr Schily,

gestern, am 28.November, begann für mich ein kleiner Urlaub, der sich noch bis Montag hinziehen wird. So gerne ich auch arbeite und so gerne ich mich persönlich in das Bruttosozialprodukt einbringe, genauso gerne habe ich auch ab und zu mal Urlaub. Urlaub ist nun mal wirklich eine Erfindung der Bundesregierung, hinter der die gesamte Bevölkerung 100%ig stehen kann. Ja, das waren schon mutige Kämpfer damals, die den machtgierigen Ingenieuren diese arbeitsfreien Tage abgeluchst haben. All denen gilt – immer wenn ich Urlaub habe – meine Bewunderung und mein Respekt.

Also ließ ich den Tag dementsprechend ruhig angehen – bis auf die Winterreifen – ich schrieb Ihnen sicher schon davon. Und endlich hatte ich mal Zeit, ausgiebig im Internet zu surfen, mich zu informieren oder einfach nur meinen Gedanken hinterherzuhängen, an denen Sie ja nun mit Hilfe der Reihe “Briefe an Schily – Texte zur Inneren Sicherheit” auch teilhaben können: Später, in einigen Jahren, wird es sicher dann von Ihnen vorangetriebene technische Möglichkeiten geben, die meine Berichte an Sie durchaus veraltet erscheinen lassen. Doch heute ist der tägliche Rapport an Sie, das LKA, das BKA, an den BND und an den Verfassungsschutz Teil meinen sicherheitspolitischen Selbstverständnisses.

Da ich mir vorgenommen hatte, die freien Tage bei einem entfernten Verwandten zu verbringen (eine Leichtigkeit für Sie, oder?), begann ich gegen 16.00 Uhr mit den Reisevorbereitungen. In einer kleinen Tasche sollten folgende Dinge untergebracht werden: 3 Unterhosen, 3 Paar Socken, 3 T-Shirts, 1 kleines Handtuch, 1 Hemd, 1 Hose, 1 Jacket und 1 Zahnbürste. Desweiteren bereitete ich einen Extra-Beutel für den Hund vor: Futter für 3-4 Tage, kleine Hundekekse, 200g Pansen, 1 Hühnerbein, 3 Kau-Knochen (die guten, für saubere Zähne bei dem Hund) und noch ca. 25 Belohnungshappen – nur für den Fall.

Gegen 18.00 Uhr fuhr ich dann in aller Ruhe los. Das Wetter ließ einiges an Wünschen offen – es regnete sehr stark und die Sicht auf der Autobahn war dementsprechend schlecht. Und, Herr Schily, wenn ich es nicht besser wüsste … aber das Wetter, Herr Schily, das Wetter war wirklich so schlecht, das mit dem Regen und so, das hätten glatt irgendwelche Terroristen gewesen sein können (Meteororisten ???).

Zu allem Überfluß verfuhr ich mich auch noch, so dass ich einen Umweg von ca. 25 km in Kauf nehmen musste. Nach dieser, insgesamt doch sehr abenteuerlichen Reise, kam ich dann endlich bei meinem entfernten Verwandten an. Und nachdem ich noch einmal kurz mit dem Hund draußen war, konnten wir dann auch den Rest des Abends bei einer Flasche Bier und Fernsehen (PRO7 ca. 35 min., SAT1 ca. 35 min., RTL ca. 20 min., MDR ca. 0,5 min., Sonstige Sender ca. 45,2 min.) ausklingen lassen.

Trotz allem habe ich zur Zeit die leise Ahnung, dass ich da so langsam was ausbrüte. Es ist so dieses körperliche Unwohlsein, dieses, na, Sie wissen schon, wenn man sich halt so schlapp fühlt – mehrmals am Tag oder so… kennen Sie doch bestimmt auch, oder? Ich werde das mal noch ein paar Tage beobachten, vielleicht macht mein Gesundheitszustand ja doch einen Gang zum Allgemeinarzt notwendig. Man sollte so etwas ja auf keinen Fall auf die lange Bank schieben, nicht wahr. Wie oft hat man doch gehört, dass das Verschleppen einer Erkältung schlimme Folgen haben kann. Nein, nein, soweit lasse ich es bestimmt nicht kommen.

Trotzdem viele Grüße und bis zum nächsten Bericht

Ihr Mark Knochen

Anlage: Ernährung, Hygiene, sportliche Aktivitäten

1 Tasse Kaffee
1 kleines Rindersteak
2 x Pommes Rot-Weiss
1 Cola, 2 Flaschen Bier
kein Sport – wird aber wieder.

Gesundheit: unter Beobachtung, bin mir noch nicht sicher.

Vitamin genommen: Nein
Zähne geputzt: Ja
Aspirin: 2 Kautabletten (zur Sicherheit!)

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