Wahr oder falsch – egal! Information für alle!

Information ist alles. Nachrichten, Sportergebnisse, Wetter-Apps, Börsenticker. Tagtäglich werden wir mit Buchstaben und Zahlen bombardiert, die sich in unser Gehirn fressen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Der Kopf soll ausgeschaltet, die Empfindungen gedämpft und das Denken verhindert werden. Still sollen wir an unseren gläsernen Schreibtischen sitzen und mit unseren Aktenkoffern spielen. Oder Aktenkoffer kaufen. Oder gläserne Schreibtische. Oder H-Milch. Oder Hackfleisch.

Dass die monströse Medienmaschinerie es mit der Wahrheit da nicht immer so ganz genau nimmt, ist mittlerweile ein alter Hut, den ich schon lange verlegt und bis heute nicht wiedergefunden habe. Dabei trage ich gar keine Hüte. Aber halt, ich schweife davon ….

Nehmen wir zum Beispiel ein banales Börsentickerlaufband, welches rechtschaffende Redakteure mit irrelevanten Informationen füllen, die dann tagtäglich am, absolut positionierten, unteren Ende eines TV-Bildschirmes ihr Dasein fristen und durch ausgeklügelte Bewegungsapparate von rechts nach links geschoben werden. Die Zahlenkolonnen und Buchstabenkürzel sind natürlich ausgemachter Unsinn. Mit aufwändiger Programmiertechnik werden Übereinstimmungen mit wirklichen Wirtschaftsmärkten und unnahbaren Unternehmen suggeriert, die dann die Menschen zu akuten Aktienkäufen animieren.

Ich persönlich würde für die Darstellung von diesem unglaublichen Unsinn vielleicht eine andere Schriftart (Comic Sans?) wählen, aber das ist Geschmackssache.

Blinde Menschen werden jedoch von dieser Art der Informationsverteilung vollkommen ausgeschlossen.

Und das kann ich belegen. In einem Zeitraum von – von mir – geschlagenen 3 Monaten habe ich einen – eingeschränkt sehtüchtigen – Bekannten, der aber ansonsten durchaus nett sein kann, dazu verwendet, dieses einmal – streng wissenschaftlich – zu untersuchen. Ich fixierte seine Finger fachgerecht ca. 2cm über dem unteren Bildschirmrand, schaltete einen entsprechenden Informationssender ein und befahl ihm, mir die Börseninformationen vorzulesen. Doch zu hören bekam ich NICHTS!. Zuerst schob ich es auf seine verstockte Art (er hatte sich ohnehin geweigert, mir bei dieser Arbeit seine Hilfe angedeihen zu lassen), aber nach Ende der Versuchszeit glaubte ich ihm schließlich. Er konnte die Zahlenreihen offenbar wirklich nicht ertasten.

In weiteren 3 Monaten konstruierte ich ein technisches Meistwerk, welches meinem Bekannten dabei helfen sollte, ebenfalls an diesen Informationen teilzuhaben. Ich baute eine rotierende Scheibe, auf die ich den TV-Flachbildschirm schnallte und positionierte eine handelsübliche Schallplattennadel so über dem Gerät, dass die empfindliche Spitze die Mattscheibe sanft abtasten konnte.

Ein vorheriger Versuch, bei dem ich meinen Bekannten direkt auf die sich drehende Maschine legte, um dann auf ihm die Mattscheibe anzubringen, scheiterte leider wieder an seiner Mithilfe.

Der Fernseher begann sich langsam zu drehen und immer, wenn sich die Nadel direkt über dem Börsentickerlaufband befand, schaltete ich ein Tonbandgerät ein. Und damit hatte ich Erfolg. Was die Finger nicht ertasten konnten – die Schallplattennadel konnte es. An den entsprechenden Stellen des Monitors tastete die Nadel die Bildschirmoberfläche ab und verwandelte die Schwingungen in elektrische Wellen, die dann über einen Verstärker und einem Lautsprecher hörbar wurden. Ich nahm Stück für Stück des Börsentickerlaufband auf und setzte die Einzelteile zusammen.

Für meinen Bekannten überspielte ich dann alles auf eine CD und überreichte sie ihm mit dem Hinweis, sich das Ganze auf gar keinen Fall rückwärts anzuhören. Man weiss ja nie. Aber ich hatte dazu beigetragen, auf diesem Wege Informationen für alle zugänglich zu machen. Egal, ob wahr oder falsch!

 

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