Stichwort „Fav“

Das Twitterhuder Abendblatt hat gefragt und wenn ich höflich gefragt werde, dann antworte ich natürlich gerne:

Der Fav ist das „Gefällt mir“ für Twitter. Oder auch einfach das „Fein gemacht.“ im Web 2.0. Und so war es auch schon vor tausenden von Jahren. Ein Fav zeigte dem Verfasser / der Verfasserin eines Tweets: der Tweet war gut, er hat jemandem gefallen, der Tweet hat Aufmerksamkeit erregt, der Tweet wurde wahrgenommen.

Mittlerweile interpretieren Favgeber und Favnehmer den Fav deutlich weitreichender und immer auch deutlich persönlicher. Heutzutage kann ein Fav zum Beispiel auch bedeuten:

  • „Den Tweet fand ich gut.“
  • „Ich hab gesehen, dass Du online bist.“
  • „Ich glaube, ich mag Dich vielleicht ein wenig, würde es Dir aber nie persönlich sagen.“
  • „Mir geht’s gerade auch so, wie in dem Tweet beschrieben.“
  • „Manchmal geht’s mir auch so, wie in dem Tweet beschrieben, aber nicht immer und ich hoffe, Du weißt, wie ich das meine, ja? Wollen wir vielleicht mal einen Kaffee zusammen downloaden?“
  • „Mir geht’s eigentlich nie so, wie in dem Tweet beschrieben, aber was soll’s!“
  • „Oh Mist, verklickt!“
  • „LOS, BEMERKE ENDLICH, DASS ES MICH GIBT UND ICH DEINE TWEETS LESE!“

Daraus resultierend hat sich eine Fav-Industrie entwickelt, die täglich neue Fav-Interpretationen auf den twitternden Markt wirft und sich daran erfreut, dass etwa ein Erdbeergeschmack-Fav oft verwendet wird, ein Emotions-Fav fast noch häufiger und ein seltener Qualitäts-Fav noch nicht ganz ausgestorben ist.

Die ersten Favs gab es schon lange vor der Erfindung von Twitter. Bei zahlreichen Höhlenmalereien fand man ganz in der Nähe schriftliche Beifallsbekundungen in Form von kleinen „YEAH!!!“s, bei denen man, nach jahrelangen Forschungen, davon ausgehen kann, dass sie auch wirklich den Zeichnungen zuzuordnen sind. In anderen Epochen, die von starkem Besitzdrang geprägt waren, konnte es auch vorkommen, dass das Verletzen von Personen als eine Art Fav zum Einsatz kam. Man wollte dann der, zum Beispiel durch stark blutende Schnittwunden, verletzten Person auf einfache, klare Art und Weise mitteilen: „Ich find Dich super, aber nur ich, verstanden?“ Damals wollte man offenbar auch direkt mit der zu favenden Person in Kontakt treten, ein Umstand, den sich heute niemand mehr wirklich vorstellen möchte. Später wurde der Fav dann auch Teil der Unterhaltungskultur und ist in einigen Gedichten oder Liedern wiederzufinden. „Mutter, der Mann mit dem Fav ist da“ oder „Fav, das war sein letztes Wort“ sind nur zwei Beispiele, für die zunehmende Thematisierung des Favs innerhalb der Kulturlandschaft.

Favs sind kostenlos und unterliegen keinen steuerpflichtigen Abgaben. Man kann sie nicht essen und nicht davon leben. Aber sie sind gut für das eigene Wohlbefinden und, so sagt man, für die Seele. Aber nur, wenn man eine hat. Wenn man Twitterer früge, würde das allerdings niemand zugeben. Vermutlich würden viele Twitterer die Existenz von Favs einfach leugnen oder erstaunt die Augen aufreißen und „Was, so etwas gibt es wirklich?“ ausrufen. Und selbst wenn sie das nicht rufen würden, dann würde ich ihnen gerne die Augen aufreißen und meinerseits rufen: „Ja, so etwas gibt es wirklich!“ Aber vermutlich dürfte ich das nicht. Körperverletzung und so.

Dem unbedarften Twitterer sei daher folgende Lektüre ans Herz gelegt, mit der man sich einen kleinen Überblick über die Favlandschaft und den Umgang mit Favs schnell und umkompliziert anlesen kann. Hier einige Buchempfehlungen zum Thema, natürlich ohne den Anspruch auf Vollständigkeit:

  • „Abnehmen mit Favs.“
  • „Zunehmen mit Favs.“
  • „Gefangen in der Fav-Falle – ein Ratgeber.“
  • „Favs – der natürliche Weg zur inneren Ruhe.“
  • „Hitler und die Favmaschinerie (von N24)“
  • „Wie verkleide ich mich richtig – Tipps zum Favsching.“
  • „Du bist, was du favst.“
  • „Mein Fav frisst nicht mehr, was kann ich tun?“
  • „Liebevolle Grabsteindekorationen mit Favs.“

Ein schöner Umstand ist es, dass die Favs in Form von kleinen Bildchen angezeigt werden, die entweder den Favgeber selber zeigen oder halt irgendetwas anderes. Diese Bildchen kann man stundenlang betrachten, vergleichen, Interpretationen dazu ausarbeiten oder einfach ablecken. Aber das bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Und noch vielen Dank, Uli, daß ich den vollständigen Text hier veröffentlichen durfte.

@hausohnefenster

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