Im Namen der Katze

Milo, der Sohn der Familie, ist bis zum Wochenende zu Besuch bei seinen Eltern und will heute abend mit mir noch ein wenig um die Häuser ziehen. Angeblich in irgendeine angesagte Kunst-Galerie, wobei ich mir da nicht ganz so sicher bin, denn bei dem Wort “Kunst” hat er so eigenartig gezwinkert. Kann natürlich aber auch sein, daß ich mir das nur eingebildet habe. Ich habe aber noch etwas Zeit, deshalb kann ich schnell noch von gestern und heute berichten.

Die beiden letzten Tage standen unter dem inoffiziellen Motto “Natur und Wandern”, der Teil meiner Reise, auf den ich mich eigentlich am meisten gefreut habe. Dafür musste ich zwar etwas weiter fahren, aber es hat sich durchaus gelohnt. Auf langen Wanderwegen, quer durch die Berge, an kleinen Bächen vorbei und hin und wieder auch in kleine Dörfer zum Rast machen, stieß ich dann auf einmal in mehreren Ortschaften auf solche Katzenstühle. Fast in jedem Garten befanden sich ein, zwei oder mehrere dieser, offenbar sehr alten, Sitzgelegenheiten. Und alle in Form einer Katze oder zumindestens mit unglaublich detailgetreuen Katzenverzierung. Zudem schien die Anzahl der echten Katzen in diesen Ortschaften auch überproportional hoch zu sein.

Da ich mich dort nicht so richtig verständlich machen konnte, habe ich später in Skopje noch einmal nachgefragt. In der Nähe vom bekannten Milleniumskreuz sollen vor ca. 400 Jahren schon einmal besonders viele Katzen gelebt haben, die sich damals aber zu einer regelrechten Plage entwickelt hatten. Wenn es damals die Technik schon gegeben hätte, wäre die Gegend um Skopje sicher zur Geburtsstätte des Internet geworden. Genügend Katzenbilder zum Onlinestellen hätte man auf jeden Fall machen können. Angeblich versuchte man damals aber mit einer großen Vergiftungsaktion der Situation Herr zu werden und übertrieb es etwas mit der Dosierung. Mein Einwurf, man hätte die Katzen ja auch totschweigen können, haha!, wurde mit einem bösen Blick quittiert. Anscheinend macht man hier bei diesem Thema keine Witze.

Auf jeden Fall muss es wohl so schlimm gewesen sein, daß es fast gar keine Katzen mehr gab und die Bewohner zum Andenken an ihre Tiere solche Stühle gebaut haben. Keine Ahnung, vielleicht so eine Art Ersatz, daß die Katzen eben in dieser Form noch mit am Tisch sitzen oder so. Dimitar geht sogar eher davon aus, daß die Stühle gebaut wurden, um den Katzen eine Denkmal zusetzen, das erscheint mir aber eher abwegig. Immerhin gibt es seit ca. 100 Jahren wieder fast so viele Katzen wie damals.

Heute habe ich mir dann zum dritten Mal so eine Suppe zum Mitnehmen gegönnt, Krauteintopf mit Kartoffeln und mit relativ viel Knoblauch und scharfem Paprika. In einer halben Stunde gehts los in diese Kunst-Galerie. Bin schon mäßig gespannt.

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>