Neulich bei der Hotline

“Guten Tag, Sie sprechen mit der Service-Hotline für Waschmaschinen, was darf ich bitte für Sie tun?”

“Also als erstes: lügen Sie mir nicht so frech ins Ohr!”

” … ???? … ??? … ?? … ? …”

“Na, habe ich Ihnen die Sprache verschlagen? Damit haben Sie jetzt aber nicht gerechnet, was? Eins zu null für mich, würde ich sagen.”

“Ich lüge nicht. Ich möchte Ihnen wirklich gerne helfen.”

“Ach, Sie machen also Ihren Job nach Vorschrift, obwohl Sie nicht motiviert sind?”

“Also eigentlich mag ich meine Arbeit schon ganz gerne.”

“Gerade eben haben Sie aber etwas anderes gesagt!”

“Das kann nicht sein, ich kenne Sie ja gar nicht.”

“Hallo? Ist jemand zu Hause? Ich habe Sie doch vor fünf Minuten schon einmal angerufen!”

“Ach, dann hatten Sie bestimmt einen anderen Mitarbeiter von unserer Hotline am Telefon.”

“Hören Sie, ich habe doch die gleiche Nummer gewählt, halten Sie mich für blöd?”

“Ja, aber … ”

“Ja??? Sie halten mich also für blöd?”

“Ja, … also NEIN!, aber das ist doch eine Sammelrufnummer, verstehen Sie?”

“Sie verstellen Ihre Stimme, oder? Sagen Sie mal, machen Sie das bei jedem Anruf? Ist das nicht etwas albern?”

“Hören Sie, ich sitze hier, um Leuten, wie Ihnen, zu helfen …”

“Na, das wollen wir doch mal sehen … dann … dann … also dann sagen Sie mir doch bitte etwas über die asiatische Hirschziegen-Antilope.”

“Wie bitte?”

“Die asiatische Hirschziegen-Antilope. Die werden Sie doch wohl kennen!”

“Aber das hier ist eine Waschmaschinen-Hotline!”

“Schon mal was von Flexibilität am Arbeitsplatz gehört? So werden Sie es nicht weit bringen.”

“Hören Sie, wenn Sie keine Frage zu einer Waschmaschine haben, dann lege ich jetzt auf.”

“Nein, bitte nicht. Tun Sie das nicht, sonst ….”

“Sonst was?”

“Wissen Sie, ich bin doch so alleine und da dachte ich, ich rufe einfach mal jemanden an und dann sah ich Ihr Bild auf dieser Broschüre …”

“Ich kann Ihnen versichern, ich bin auf überhaupt gar keiner Broschüre abgebildet.”

“Aber Sie sehen darauf so traurig aus … also Sie haben natürlich gelacht, für das Foto, aber ich konnte da doch etwas trauriges in ihren verpixelten Augen erkennen.”

“Ach ja, finden Sie? Naja, mir geht es zur Zeit wirklich nicht so gut, die Arbeit, wissen Sie?”

“Vielleicht wollen wir ja mal etwas zusammen unternehmen?”

“Eigentlich dürfen wir uns nicht privat mit Kunden treffen.”

“Aber ich habe Sie ja etwas zur asiatischen Hirschziegen-Antilope gefragt und nicht zu irgendeiner Waschmaschine. Und das konnten Sie noch nicht einmal beantworten.”

“Erinnern Sie mich nicht daran, ich kam mir so dumm vor.”

“Ach, das kann doch jedem passieren.”

“Meinen Sie wirklich?”

“Nein, aber wenn es Ihnen hilft … dafür bin ich doch hier, um Ihnen zu helfen. Haben Sie sonst noch eine Frage?”

“Nein, im Moment eigentlich nicht.”

“Dann rufe ich vielleicht morgen noch einmal an? Aber verstellen Sie nicht wieder Ihre Stimme, hören Sie?”

“Nein, auf keinen Fall. Dann …. bis morgen? Ich würde mich freuen.”

“Bis morgen, ich schau mir jetzt noch etwas Ihr trauriges Bild an.”

“Gerne. Hat mich sehr gefreut.”

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