12. Juni 2013

Sehr geehrte NSA,

in den letzten Tagen konnten die Menschen in Deutschland oft genug lesen, daß sie von Ihnen überwacht werden. Sie (also Sie, die NSA) können alle Mails abrufen, Telefongespräche abhören und die Gedanken der Menschen lesen. Das ist zweifellos eine wichtige Aufgabe und hilft dabei, schlimme Sachen zu verhindern, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit oder Milchreis.

Die Interpretation der von Ihnen ermittelten Informationen liegt aber immer noch im Auge des Betrachters. Und ganz sicher haben Sie Ihre Mitarbeiter sorfgältig ausgesucht und beschäftigen keine Blinden auf dem Minenfeld des Informationskrieges, aber ich möchte dennoch versuchen, Ihnen mit einer erweiterten Darstellung meiner personenbezogenen Daten dabei zu helfen, ein richtiges Licht zu werfen. Worauf auch immer. In den folgenden Berichten werde ich Ihnen also meinen Tagesablauf schildern und Sie an meinen Gedankengängen teilhaben lassen – ich lade Sie sozusagen ein, zu einem persönlichen Informationsspaziergang.

Heute morgen fuhr ich seit langer Zeit wieder einmal Straßenbahn. Genauer gesagt habe ich mich eigentlich fahren lassen (bitte nicht verwechseln mit ‘gehen lassen’ – das ist etwas ganz anderes und beschreibt nicht die passive Personenbeförderung), denn selber darf man diese öffentlichen Verkehrsmittel ja nicht fahren.

Dabei fielen mir auch einige andere Menschen auf, die ich bislang nicht wahrgenommen hatte. Im ersten Augenblick dachte ich “Oh oh”, aber kurz darauf dachte schon wieder gar nichts mehr. Wenn ich Ihnen diese Personen beschreiben müsste, ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte. Vermutlich waren einige sogar Mitarbeiter von Ihnen und die kennen Sie ja selbst am besten. Einige Sitzplätze in der Bahn muteten frei an, aber ich weiß natürlich, daß dort unsichtbare Geheimdienstmitarbeiter saßen und die sieht man ja nicht. Also fuhr ich in der überfüllten Bahn zur Arbeit und ab und zu zwinkerte ich leicht, Ihre Mitarbeiter sollten schließlich wissen, daß ich auf Ihrer Seite bin.

Falls heute noch mehr passieren sollte, werde ich Sie natürlich umgehend darüber informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Mark Knochen

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>