13. Juni 2013

Sehr geehrter NSA,

ich bin etwas unsicher, soll ich Sie eigentlich lieber mit “Herr NSA” oder “Frau NSA” ansprechen, sagen Sie mir einfach Bescheid, wie es für Sie am angenehmsten ist … es geht mir nämlich vor allem um den Aufbau einer virtuellen Wohlfühlatmosphäre. Überwachung soll ja schließlich auch als angenehm empfunden werden und vielen ist leider nicht klar, daß man dafür auch selber etwas tun muß. Aber ich bin mir sicher, gemeinsam können wir das schaffen, finden Sie nicht auch?

Den gestrigen Tag habe ich mir intensiv darüber Gedanken gemacht, wie ich Ihnen bei Ihrer täglichen Arbeit noch mehr zur Hand gehen kann. Was sich natürlich ganz von selbst versteht: wichtige Textstellen in E-Mails oder anderen Dokumenten, die möglicherweise für Sie wertvolle Hinweise enthalten könnten, werde ich in Zukunft fett schreiben. Also fett, im Sinne von fett, nicht fett in Bezug auf meine Statur. Das wäre auch wirklich schwierig, wenn ich beim Schreiben permanent ab- und zunehmen müsste oder kennen Sie da eine Möglichkeit? Wenn Sie mich nämlich auch mit einer Kamera überwachen würden, dann müssten Sie ja nur noch auf den Monitor schauen und wenn Sie sehen, daß ich gerade 200kg wiege, dann wüssten Sie gleich: “Ah, jetzt schreibt er etwas wichtiges! Obacht!”

Was Sie vielleicht noch wissen sollten: ich habe mir, zum Schutz von ganz wichtigen E-Mails, einen extra Ordner angelegt und diesen, zur Verwirrung von Datendieben, “Papierkorb – aber der richtige!” genannt. Sie müssen zugeben, daß das eine sehr clevere Idee ist und mögliche Verbrecher so richtig verwirren kann. Falls Ihnen das System gefällt, können Sie es natürlich auch in Ihrem Haus nutzen, ich hätte nichts dagegen.

Können Sie eigentlich sehen, was ich am Tag so esse oder einkaufe? Falls nicht, ich könnte Ihnen auch diese Informationen zukommen lassen. Ich möchte nur nicht, daß Sie neidisch werden … wie ich weiß, gibt es in den USA ja nur McDonalds-Läden, im ganzen Lande verteilt. Und anderes Essen können Sie nur im Internet bestellen. Ich persönlich stelle mir das ja etwas seltsam vor, wenn es wirklich nur McDonalds gibt, wo lassen Sie eigentlich Ihre Autos reparieren? Aber ich will darüber nicht urteilen, da hat ja jedes Land seine eigenen Vorstellungen … in China, zum Beispiel, essen sie ja den ganzen Tag Reis, ohne Pause, immer nur Reis und den füllen sie in Säcke und lassen sie, bei Bedarf, für Menschen aus der ganzen Welt manchmal einfach umfallen. Und damit verdienen sie Geld. Obwohl wir noch nicht einmal überprüfen könnten, ob der Sack Reis nun wirklich umgefallen ist. Da müssen wir aufeinander vertrauen.

Sie können das natürlich nicht, das verstehe ich, sonst müssten Sie ja nicht überwachen. Haben Sie eigentlich so eine interaktive Karte, auf der man immer ein kleines Symbol aufblitzen sieht, wenn wieder einmal so ein Sack Reis umgefallen ist? Können Sie diese Säcke selber platzieren, so per Drag & Drop? Und fallen die Säcke bei einem doppelten Mausklick dann um? Ich stelle mir Ihre Arbeit wirklich wahnsinnig aufregend vor, vielleicht schreiben Sie mir ja einmal davon? Das würde mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Mark Knochen

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