14. Juni 2013

Sehr geehrte NSA,

heute ist schon Freitag und es ist schon mein dritter Bericht an Sie. Und es beruhigt mich in der Tat, daß ich nun auch einen kleinen Teil zur Sicherheit der gesamten Welt beitragen kann. Klar, man denkt ja von sich selber immer, ach, was können denn bei mir schon so interessante Informationen vorhanden sein, aber in den Krimis im Fernsehen, da weisen die Ermittlungsbeamten immer extra darauf hin, daß jeder noch so unbedeutende Hinweis manchmal Berge versetzen kann, ja, sogar Menschen in andere Abteilungen.

Gestern ist mir dann ein kleines Mißgeschickt passiert. Als ich nämlich gerade einen Weg erledigte, um Waren des täglichen Bedarfs einzuholen, fiel mir auf, daß ich leider meinen Einkaufszettel verschludert hatte. Dabei dachte ich sogar kurz an Sie, denn für Sie wäre diese Situation natürlich kein Problem gewesen … Sie hätten bestimmt sofort einen Plan parat gehabt oder blitzschnellen Zugriff auf (wahrscheinlich) alle Einkaufszettel der Welt, aber so viel Geld hätte ich jar nicht dabei gehabt. In Gedanken sah ich mich schon an der Kasse stehen. Mit viel zu wenige Geld und viel zu vielen Artikeln auf dem Kassenband. Aber das ist ja gerade noch einmal gut gegangen.

Dann besann ich mich jedoch auf die Fähigkeiten des Erinnerungsvermögens und versuchte, aus dem Gedächtnis die verschiedenen Konsumartikel zu rekonstruieren. Sie müssen wissen, ich bin ein großer Anhänger des Kollektivgedächtnisses und vertraue daher fast blind darauf, daß ich aus der Erinnerung aller Menschen nur Dinge kaufen würde, die ich auch wirklich zum überleben benötige. Wie sonst hätte die Menschheit so lange bestehen können? Ach, und brauchen Sie vielleicht einen Viderecorder oder einen Staubsauger?

So langsam verstehe ich Ihre Arbeit wirklich und ich beginne, immer mehr wie Sie zu denken. Ich habe mich sogar schon dabei ertappt, wie ich stundenlang im Internet verschiedene Katzen-Foren und Beiträge in Kleintier-Communitys durchgelesen habe, auf der Suchen nach sicherheitsrelevantem Beweismaterial. Ich habe nämlich schon oft gehört, daß gerade die einfachen Leute, die unauffälligen und unangenehmen, einfach so zur Gefahr der Demokratie werden können. Einfach, weil sie es nicht besser wissen. Und gerade bei Leuten, die mir eigentlich sympathisch sind, ermahne ich mich immer wieder: “Nein, das sind auch nur Menschen!”

Sagen Sie, wenn es in bei meinem Telefongesprächen immer etwas knackt in der Leitung, das sind dann Sie, oder? Ich habe es schon vermutet und ich fühle mich dann etwas wohler, man weiß ja nie so genau. Falls Ihnen bei meinen Telefonaten etwas auffallen sollte, fallen Sie mir ruhig ins Wort, mischen Sie sich ein. Sie haben doch sicherlich die Möglichkeit, den jeweiligen Gesprächspartner kurz auf “stumm” zu stellen, dann könnte wir uns auch über den weiteren Gesprächsverlauf abstimmen. Hach, ich bin ja so aufgeregt … das ist so unglaublich toll als geheimer Agent, ich darf mich doch bestimmt auch bald so nennen, ja? Habe ich eigentlich am Wochenende frei?

Mit freundlichen Grüßen

Mark Knochen

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