19. Juni 2013

Sehr geehrte NSA,

können Sie eigentlich auch unser Wetter abhören? Hören Sie, zum Beispiel, wie warm es gerade ist? Wenn Sie mit Ihren Ohren ganz nah an Ihre Abhöranlagen kommen, dann müssten Sie doch das Wetter hören können. Eventuell müssten sie das wachsende Gras noch rausfiltern, das soll ja immer recht laut sein. Und ich weiß auch nicht genau, wie das mit der Zeitverschiebung ist, aber vielleicht können Sie ja auch erst später so richtig hören, wie warm es hier gerade ist. Oder war. Das kalkulieren Sie aber bestimmt in Ihre Abhörprotokolle mit ein. Und wenn Sie im Dezember lesen, daß es hier gerade sehr warm ist, dann wissen Sie sicher: “Obacht, da kann etwas nicht stimmen!”

In meiner Freizeit engagiere ich mich ab und zu in einem kleinen Verein für Stadtentwickung. Momentan bin ich noch alleine, aber davon lasse ich mich nicht abhalten. Immer, wenn sich die Gelegenheit bietet, lege ich zum Beispiel teure Lebensmittel auf den Gehweg, verteile Kaviar an den Hausecken. Mögliche Investoren können dann sehen: “Ah, das ist ein wohlhabendes Viertel, hier können wir unser Geld sinnvoll in den Sand stecken.” Sie können das sicher von oben auf Ihren goldenen Bildschirmen sehen, gerade gestern, als ich, wie aus Versehen, einen Hummer und ein paar Austern aus meiner Aldi-Tüte fallen ließ, habe ich Ihnen sogar freundlich zugewinkt. Vielleicht könnten Sie mir die Aufnahme zusenden, ich würde mich sehr darüber freuen.

Zur Zeit weilt ja gerade Ihr Staatsratsvorsitzender in unserem Land. Ich weiß natürlich, daß das nur ein Doppelgänger ist, aber ich verspreche, es niemandem zu verraten. Ich könnte sogar verstehen, wenn Sie gar kein Staatsoberhaupt haben, das wäre im Grunde auch viel zu unsicher und würde Ihre Arbeit nur behindern. Heutzutag lässt sich mit moderner Technik ja so viel machen und so ein Präsident ist ja auch nur für Fernsehen und Zeitung wichtig. Das ist hier mit Frau Merkel nicht anders. Viele Menschen sind sogar froh, wenn Sie Frau Merkel oder andere Politiker nur im Fernsehen sehen müssen.

Aber die Menschen hier freuen sich sehr, daß der Herr Obama uns besuchen kommt. Auf dem Weg zur Arbeit sah ich schon große Menschenmengen am Straßenrand stehen, bunte Fähnchen schwingend und alle sangen Ihre Nationalhymne:

“Ob Obama über Oberammergau, 
ob Obama über Unterammergau,
ob Obama überhaupt nicht kommt
ist nicht gewiss.”

Und am Spätverkauf standen auch schon die ersten Leute und sangen “Freude schöner Götterfunken” und hatten zur Feier des Tages sogar die guten Gläser von daheim mitgebracht.

Übrigens: ich habe versucht, mich auf Ihrer Webseite für das Prism-Programm zu registrieren, habe aber kein entsprechendes Formular gefunden, vielleicht könnten Sie da noch einmal drüber gehen. Ansonsten kenne ich auch einen Studenten, das ist der Sohn von einer Kollegin, der hat sich schon oft Webseiten im Internet angesehen und da waren mit Sicherheit auch ein paar Formulare dabei, der würde das sicher auch für wenig Geld für Sie übernehmen. Geben Sie mir einfach kurz Bescheid.

Bis bald und mit freundlichen Grüßen

Mark Knochen

 

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