Die Kraft der Mütze

Es mag verwundern, aber auch ich treibe regelmäßig sehr unregelmäßig Sport. Mal gehe ich joggen, mal drehe ich mit dem Rad eine Runde. Und seit Jahren ist sie immer dabei. Meine Mütze. Eine alte, farblich schon längst von Sonne und Regen verblichene, Schirmmütze. Manche würden auch Basecap sagen, aber ich weiß noch nicht einmal den Unterschied. Aber diese Mütze ist es, die mich immer wieder zu sportlichen Erfolgen treibt, ich würde sogar sagen … nur mit dieser Mütze sind diese Höchstleistungen überhaupt erst möglich geworden.

Denn wenn ich die Mütze trage, dann wird in mir ein unsichtbarer Schalter umgelegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Schirm der Mütze vorne oder hinten befindet. Aber wenn er vorne ist, dann schützt er einfach mehr vor Sonne, Regen oder Wind. Der Körper setzt sich in Gang und er bewegt sich ab diesem Zeitpunkt immer nur vorwärts. Dann bin ich eine Maschine. Die Kraft der Mütze fließt in mich hinein und durch mich hindurch. Die klassische Kopfbedeckung versorgt mich mit nie versiegender Energie und darüber hinaus auch noch mit Motivation. Ich würde sogar behaupten, diese Mütze ist eine Art Energiespeicher, der nur darauf wartet, seine Wirkung zu entfalten. Zu Beginn einer sportlichen Einheit fühlt sich die Mütze noch hart und kantig an, doch nach kurzer Zeit passt sie sich der Kopfform an und beginnt mit ihrer Arbeit. Hunderte Kilometer bin ich mit dieser Mütze durch Wälder, über Wiesen oder Asphalt gerannt. Und ich bin mit ihr Fahrrad gefahren. (Im Schwimmbad wurde mir immer verboten, sie aufzusetzen!) Immerzu hat sie meinen Schweiß in sich aufgenommen, in Energie verwandelt und an mich weitegegeben. Überschüssiger Schweiß wurde getrocknet und für spätere Trainingsrunden aufbewahrt. Die Kraft der Mütze speist sich aus dem Schweiß des Trägers – das war mir immer klar. Eines Tages jedoch wurde die Mütze ohne mein Zutun gereinigt. Achtlos gewaschen und brutal zum trocknen aufgehängt. Die Gründe waren irgendetwas mit “eklig” und “sowas kann man doch nicht mehr aufsetzen”. Danach war nichts mehr wie vorher. Die Kraft der Mütze war verschwunden. Meine Energiequelle war zerstört. Erst nach vielen, unzähligen Laufeinheiten und Fahrradrunden konnte ich die Fähigkeiten der Mütze reaktivieren. Nun ist sie wieder mein einsamer Freund auf den Laufstrecken des Lebens. Und ich gebe auf sie acht. Nie wieder wird sie einer Reinigung zum Opfer fallen. Nie wieder!

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