05.September 2013

Sehr geehrter NSA, kuckuck BND,

nun habe ich mich eine Weile nicht gemeldet, aber Sie werden ja sicher trotzdem von mir gehört haben. Deswegen habe ich auch kein schlechtes Gewissen und ich habe ohnehin überlegt, mir die Sache mit dem Gewissen noch einmal zu überlegen. Ich meine, das macht doch eigentlich keinen Sinn mehr. Gerade in der globalisierten Welt, wo es nur noch um Krieg, Gewalt und gesunde Ernährung geht – wozu soll da ein Gewissen gut sein? Vermutlich bekommt man von einem Gewissen sogar erst recht Sonnenbrand oder Haferflocken zum Frühstück. Es gibt ja noch so viele Dinge, die erst erforscht werden müssen – und das Gewissen gehört ganz sicher auch dazu.

Außerdem war ich eine Woche im Urlaub. Das muß auch mal sein, hat man mir gesagt. Spann mal aus, lass mal alle fünfe gerade sein, hat man mir gesagt und obwohl “FÜNF” eine ungerade Zahl ist, habe ich es versucht. Versuch macht klug hat man mir auch mal gesagt und Atomwaffenversuch macht atomwaffenklug wird dann ja wohl auch stimmen. Kannst Du mal bitte nachschauen, NSA, wie mein Urlaub war? Habe ich mich erholt oder so etwas in der Art? Ich kann das schlecht einschätzen und das kannst Du bestimmt viel  besser. Wir bleiben in Kontakt, ja?

Weißt Du NSA, ich gehe ja auch gerne mal zum Pferderennen. Also ich renne da selbstverständlich nicht in echt, weil ich natürlich einem Pferd nicht ganz so ähnlich sehe, dass man mich mit einem verwechseln würde. Aber ich versuche immer, mich in die Pferde zu versetzen, eins zu werden mit dem Tier und mit der Sportart. Manchmal schließe ich dann auch die Augen und gehe die Strecke in Gedanken durch, also – aus der Sichtweise eines Pferdes. Das sieht für den Außenstehenden vielleicht etwas seltsam aus, aber Kontrolleure in der S-Bahn sind nun auch keine Augenweide. Oder verschimmelte Haferflocken zum Frühstück. Ich glaube, ich wäre ein gutes Rennpferd und beim letzten Gedankentraining konnte ich sogar einen der vorderen Plätze belegen. Leider hatte ich vergessen, vor dem Rennen auf mich zu wetten und etwas Geld hätte ich wohl sogar gewonnen.

Die besten Ergebnisse beim Gedankenpferderennen erziele ich übrigens immer, wenn ich dabei Musik höre. Allerdings ist das etwas schwierig mit so einem gedanklichen Pferdekopf. Diese weißen iPhone-Kopfhörer verlieren sich in den großen Ohren, das Kabel ist viel zu kurz und es reicht nicht wirklich von einem Ohr zum anderen zu Ohr, mal ganz abgesehen davon, daß sich die Kabel immer so sehr in meiner prachtvollen Mähne verfitzen. Daher habe ich mein Musikabspielgerät so umgebaut, daß ich 50 Kopfhörerpaare parallel anschließen kann. So kann ich 25 Kopfhörerpaare in jedes Pferdeohr stopfen, was den Klang einigermaßen erträglich macht und mit der richtigen Musik galoppiere ich allen anderen Pferden davon.

Das war es schon wieder, die Zeit ist geradezu wie am Pflug vergangen, wie wir Gedankenpferde sagen würden, aber das wissen Sie ja sicher.

Viele Grüße

Mark Knochen

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