Weihnachten in der DDR

Auch die besinnliche Advents- und Weihnachtszeit konnte in der DDR nur unter sehr schwierigen Bedingungen für die Menschen zelebriert werden. Die grauen Straßen wurden nur hier und da von einem Streichholz kurz beleuchtet, Taschenlampen huschten schnell über die Fenster, um die daran befestigten Scherenschnitten mit weihnachtlichen Motiven für Passanten zur Geltung zu bringen. Bewohner in den höheren Etagen eines Neubaublocks hatten daher meist keine geschmückten Fenster – allzu viele Passanten gab es bis 1989 auch gar nicht. Jedes Jahr strahlte das Fernsehen der DDR den Film “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” aus und viele Bewohner konnten sich mit Aschenbrödel identifizieren. Mehr als drei Haselnüsse hatten ohnehin die wenigsten auf ihren Gabentellern. Auch Winnetou und Old Shatterhand waren zur Weihnachtszeit ständige Besucher im Flimmerkasten, für viele aber auch die einzigen Gäste in der karg eingerichteten Plattenbauwohnung.

Viele Jahre mangelte es der DDR-Industrie an Wachs, so dass Weihnachtskerzen eine große Seltenheit waren. Doch in Ermangelung der – auch die Herzen – wärmenden Lichterstangen behalfen sich die Bürger auf andere Art und Weise. Zuhilfe kam ihnen hier eine Lautähnlichkeit in der deutschen Sprache. Pünklich zum Beginn der Weihnachtszeit konnte man in den Kaufhallen des Landes einen “Adventskranz mit Weihnachtskatzen” erwerben und auch sonst war es keine Seltenheit, daß man Katzen zur Zierde ins Fenster stellte. Wurde Weihnachten dann offiziell für beendet erklärte, sammelten die Behörden die Katzen ein und verkauften diese gegen Devisen nach Westdeutschland. Alle Weihnachtskatzen wurden fotografiert und katalogisiert, der Archivbestand dieser Katzenbilder verschwand aber nach der Wende spurlos. Es ist aber zu vermuten, das mindestens 80% der im Internet kursierenden Katzenbilder aus eben diesem Fundus stammen.

Während sich also viele DDR-Bürger die Adventszeit mit Katzen und Haselnüssen so angenehm wie möglich machten, hatten die kirchlichen Gruppen ein deutlich schwereres Los zu tragen. Bekennende Mitglieder der Kirche mussten in sogenannten “Christ-Stollen” unter Tage arbeiten, um seltene Rohstoffe für die sozialistische Wirtschaft abzubauen. Daran erinnert auch heute noch das gleichnamige Weihnachtsgebäck, welches ursprünglich eine Erfindung der Volkskammer war, um die Bevölkerung von der unmenschlichen Behandlung der Christen abzulenken.

 

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>